Können deine Hobbys verraten, ob du fremdgehen wirst? Die überraschende Wahrheit
Okay, bevor du jetzt in totale Panik verfällst und anfängst, die Spotify-Playlists deines Partners zu durchforsten oder sein Lieblingsrestaurant zu googeln – atme tief durch. Nein, die Tatsache, dass dein Freund gerne Extremsport betreibt oder deine Freundin spontane Wochenendtrips liebt, macht sie nicht automatisch zu potentiellen Fremdgängern. Aber – und hier wird es spannend – die Wissenschaft hat tatsächlich ein paar faszinierende Zusammenhänge zwischen dem, was Menschen mögen, und wie sie sich in Beziehungen verhalten, aufgedeckt.
Die Wahrheit ist komplizierter als ein billiger Clickbait-Artikel es dir weismachen will. Es geht nicht darum, dass jemand, der gerne Fallschirmspringt, automatisch zum Seitensprung verdammt ist. Aber bestimmte Vorlieben können tatsächlich Hinweise auf tieferliegende Persönlichkeitsmerkmale geben – und genau diese Merkmale haben Psychologen mit Untreue in Verbindung gebracht. Willkommen in der wilden Welt der Beziehungspsychologie, wo nichts so einfach ist, wie es scheint.
Was die Wissenschaft über Persönlichkeit und Treue wirklich sagt
Lass uns mit den harten Fakten anfangen. Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2015, die auf dem sogenannten Big-Five-Modell basiert – das ist quasi der heilige Gral der Persönlichkeitspsychologie –, hat herausgefunden, dass bestimmte Charaktereigenschaften tatsächlich mit Untreue korrelieren. Die Studie von Lars Satow zeigte, dass Menschen mit hoher Offenheit für Erfahrungen, starker Extraversion, hohem Neurotizismus und niedriger Verträglichkeit statistisch gesehen häufiger fremdgehen.
Moment mal, was bedeutet das überhaupt in normaler Menschensprache? Menschen, die ständig nach neuen Erlebnissen lechzen, sehr gesellig sind, emotional eher auf der Achterbahn unterwegs sind und in Beziehungen weniger kooperativ agieren, zeigen häufiger Untreueverhalten. Aber bevor du jetzt deinen extraversen Partner misstrauisch beäugst: Das sind statistische Zusammenhänge, keine Schicksalsvorhersagen. Es ist wie mit dem Wetter – nur weil dunkle Wolken aufziehen, heißt das nicht, dass es zwangsläufig regnen wird.
Eine weitere aufschlussreiche Untersuchung kommt von der Ruhr-Universität Bochum aus dem Jahr 2001. Die Forscher fanden heraus, dass Menschen mit einem spielerischen Liebesstil – also jene, die Beziehungen eher als spannendes Abenteuer statt als tiefe emotionale Verpflichtung sehen – deutlich häufiger Seitensprünge begehen. Auch permissive sexuelle Einstellungen und ein vermeidender Bindungsstil mit Untreue korreliert. Diese Leute haben oft Schwierigkeiten mit echter Intimität und halten sich lieber emotional auf Distanz.
Der verräterische Link zwischen Hobbys und Charakter
Jetzt wird es richtig interessant: Unsere Vorlieben sind nicht einfach nur zufällige Geschmacksfragen. Sie sind oft Ausdruck unserer Persönlichkeit. Jemand, der sein Wochenende am liebsten beim Bungee-Jumping oder Motorradfahren verbringt, zeigt damit nicht nur seine Freizeitpräferenz – er könnte auch ein klassischer Sensationssucher sein. Und genau diese Sensationssuche, diese permanente Jagd nach dem nächsten Kick, wurde in mehreren Studien mit höherer Untreue-Wahrscheinlichkeit in Verbindung gebracht.
Menschen, die ständig nach Abwechslung suchen und Routine hassen, planen spontane Trips nach Thailand, probieren ständig neue Restaurants aus und haben eine Bucket-List, die länger ist als deine Einkaufsliste vor Weihnachten. Diese Menschen sind oft unglaublich charmant und aufregend – genau die Eigenschaften, die sie so anziehend machen. Aber dieselben Charakterzüge können auch bedeuten, dass sie Schwierigkeiten haben, sich langfristig auf eine Person festzulegen.
Eine soziologische Studie fand heraus, dass etwa 40 Prozent der Deutschen zugeben, schon mal einen Seitensprung gehabt zu haben. Die Hauptgründe? Unzufriedenheit in der Beziehung und fehlende Langzeitperspektiven. Aber hier ist der Clou: Menschen mit den oben beschriebenen Persönlichkeitsmerkmalen neigen eher dazu, sich unzufrieden zu fühlen, weil sie ständig nach dem nächsten aufregenden Ding Ausschau halten. Das Gras ist für sie immer grüner auf der anderen Seite – oder besser gesagt, beim attraktiven Arbeitskollegen.
Konkrete Vorlieben, die aufhorchen lassen sollten
Okay, genug Theorie. Lass uns über konkrete Beispiele reden, aber mit einem riesigen Disclaimer: Diese Vorlieben machen deinen Partner nicht automatisch zum Fremdgeher. Sie sind eher wie Puzzleteile, die nur im Gesamtbild Sinn ergeben. Niemand wird zum Seitensprung-Kandidaten, nur weil er gerne Achterbahn fährt. Verstanden? Gut.
Menschen, die Extremsport lieben – Fallschirmspringen, Klettern ohne Sicherung, Base-Jumping oder ähnlich adrenalingetränkte Aktivitäten – teilen oft Persönlichkeitseigenschaften mit hoher Impulsivität. Diese Impulsivität beschränkt sich nicht nur auf ihre Freizeitgestaltung. Sie kann sich auch in spontanen, nicht durchdachten Entscheidungen in Beziehungen zeigen. Wie zum Beispiel: „Oh, diese Person auf der Party ist interessant, lass uns einfach mal sehen, was passiert.“ Du verstehst, worauf ich hinaus will.
Oder betrachten wir Menschen, die ständig Abwechslung brauchen. Sie ändern alle paar Monate ihren Kleidungsstil radikal, dekorieren die Wohnung komplett um, wechseln Freundeskreise wie andere ihre Socken. Diese Personen haben oft eine hohe Offenheit für Erfahrungen – genau das Merkmal, das die Satow-Studie mit Untreue in Verbindung brachte. Sie suchen permanent nach Neuem, und manchmal erstreckt sich diese Suche eben auch auf romantische Partner.
Dann gibt es die Social-Media-Junkies. Menschen, die ihre komplette Existenz online dokumentieren, ständig neue Bekanntschaften machen und riesige soziale Netzwerke pflegen, zeigen oft eine ausgeprägte Extraversion. An sich ist das nichts Schlechtes – Extraversion macht Menschen sympathisch und gesellig. Aber kombiniert mit anderen Faktoren wie geringer Impulskontrolle oder dem Bedürfnis nach ständiger Bestätigung kann es problematisch werden. Diese Leute brauchen das Gefühl, begehrt zu werden, und wenn sie das in der Beziehung nicht bekommen, suchen sie es woanders.
Die Sache mit dem Narzissmus
Hier kommt ein weiterer spannender Faktor ins Spiel: Narzissmus. Menschen mit stark narzisstischen Zügen haben sehr spezifische Vorlieben. Sie lieben Statussymbole, sprechen am liebsten über sich selbst, posten permanent Selfies und suchen ständig nach Bewunderung. Diese Persönlichkeitsstruktur geht oft mit geringer Empathie einher – und genau das ist in Beziehungen ein Riesenproblem.
Studien zeigen, dass Menschen mit niedrigen Empathie-Werten weniger Schuld oder Reue bei Untreue empfinden. Sie können die emotionalen Konsequenzen ihrer Handlungen für den Partner einfach nicht nachvollziehen. Für sie ist ein Seitensprung vielleicht nur ein kurzes Abenteuer, ein kleiner Ego-Boost. Dass ihr Partner dabei emotional zerstört wird? Pech gehabt, das ist halt Kollateralschaden auf dem Weg zur Selbstverwirklichung.
Wenn dein Partner also ständig betont, wie toll er ist, bei Streits nie Verantwortung übernimmt und unfähig scheint, sich in deine Gefühle hineinzuversetzen, solltest du vielleicht aufmerksamer werden. Besonders wenn diese narzisstischen Tendenzen mit anderen Warnsignalen kombiniert auftreten.
Der Bindungsphobiker: Wenn Nähe zum Albtraum wird
Die Bochumer Studie identifizierte noch ein weiteres spannendes Muster: den vermeidenden Bindungsstil. Diese Menschen haben eine panische Angst vor echter emotionaler Intimität. Sie schätzen ihre Unabhängigkeit über alles und fühlen sich eingeengt, sobald eine Beziehung ernsthaft wird.
Wie zeigt sich das in ihren Vorlieben? Sie bevorzugen Allein-Hobbys statt gemeinsamer Aktivitäten. Sie betonen ständig, wie wichtig ihnen ihr eigener Raum ist. Sie lieben Solo-Reisen, haben komplett getrennte Freundeskreise und ziehen sich emotional zurück, wenn du versuchst, die Beziehung zu vertiefen. Für sie ist es völlig normal, wochenlang nicht über Gefühle zu sprechen oder wichtige Beziehungsmeilensteine zu vermeiden.
Die Forschung zeigt, dass dieser Bindungsstil mit höheren Untreue-Raten korreliert. Warum? Weil diese Menschen Seitensprünge als weniger problematisch wahrnehmen. Sie haben keine tiefe emotionale Bindung zur Hauptbeziehung entwickelt, also fühlt sich Fremdgehen für sie nicht wie ein massiver Vertrauensbruch an. Es ist eher wie ein weiterer Weg, Distanz zu wahren und sich nicht wirklich einlassen zu müssen.
Warum du trotzdem nicht paranoid werden solltest
Bevor du jetzt komplett durchdrehst und deinen Partner verhörst, ob er jemals Fallschirmspringen cool fand: Entspann dich. Alle diese Forschungsergebnisse zeigen Korrelationen, keine Kausalitäten. Das ist ein fundamentaler Unterschied, den viele Menschen nicht verstehen.
Eine Korrelation bedeutet nur, dass zwei Dinge häufig zusammen auftreten. Es bedeutet nicht, dass das eine das andere verursacht. Klassisches Beispiel: Es gibt eine Korrelation zwischen Eisverkäufen und Ertrinkungsunfällen. Bedeutet das, dass Eis essen Menschen zum Ertrinken bringt? Natürlich nicht. Beide Dinge passieren einfach häufiger im Sommer.
Genauso ist es mit Vorlieben und Untreue. Nur weil dein Partner gerne Extremsport betreibt, wird er nicht automatisch fremdgehen. Es bedeutet lediglich, dass Menschen mit dieser Vorliebe statistisch gesehen bestimmte Persönlichkeitseigenschaften teilen könnten, die wiederum mit höherer Untreue-Wahrscheinlichkeit verbunden sind. Der Unterschied ist subtil, aber enorm wichtig.
Außerdem spielen situative Faktoren eine riesige Rolle. Die Qualität der Beziehung ist der stärkste Prädiktor für Treue. Eine Studie betonte, dass Unzufriedenheit in der Beziehung und fehlende gemeinsame Zukunftspläne viel entscheidender sind als jede Persönlichkeitseigenschaft oder Vorliebe. Mit anderen Worten: Wenn deine Beziehung stark ist, ihr euch emotional verbunden fühlt und gemeinsame Ziele habt, ist das Risiko für Untreue deutlich geringer – egal, ob dein Partner Fallschirmspringen liebt oder nicht.
Wie du diese Infos tatsächlich nutzen kannst
Der wahre Wert dieser ganzen Forschung liegt nicht darin, deinen Partner zu überwachen oder jede seiner Vorlieben zu analysieren. Stattdessen kann sie dir helfen, ein tieferes Bewusstsein für Beziehungsdynamiken zu entwickeln. Hier sind ein paar konstruktive Wege, wie du mit diesen Erkenntnissen umgehen kannst.
Erstens: Selbstreflexion. Erkennst du einige dieser Muster bei dir selbst? Hohe Offenheit für Erfahrungen oder Sensationssuche sind keine schlechten Eigenschaften – sie machen dich aufregend und interessant. Aber wenn du in einer monogamen Beziehung bist, solltest du bewusst überlegen, wie du diese Bedürfnisse auf gesunde Weise erfüllen kannst. Vielleicht durch gemeinsame Abenteuer mit deinem Partner, neue Hobbys als Paar oder offene Kommunikation über deine Bedürfnisse.
Zweitens: Kommunikation. Nutze diese Erkenntnisse als Gesprächsgrundlage. Wenn dein Partner einen stark vermeidenden Bindungsstil hat, sprich offen darüber. Viele Beziehungsprobleme entstehen aus unbewussten Mustern, die durch ehrliche Gespräche verändert werden können. Es ist nicht anklagend gemeint, sondern als Chance, einander besser zu verstehen.
Drittens: Konzentriere dich auf die Beziehungsqualität. Investiert in eure gegenseitige Zufriedenheit. Pflegt gemeinsame Ziele. Haltet eure Intimität lebendig – und damit meine ich nicht nur Sex, sondern auch emotionale Nähe, tiefe Gespräche, gemeinsame Erlebnisse. Eine erfüllte Beziehung ist der beste Schutz gegen Untreue, egal welche Persönlichkeitsmerkmale beteiligt sind.
Das große Ganze verstehen
Wenn du diese Erkenntnisse nutzen möchtest, solltest du niemals einzelne Vorlieben isoliert betrachten. Stattdessen such nach Mustern. Zeigt dein Partner gleichzeitig mehrere der besprochenen Eigenschaften? Hohe Sensationssuche plus vermeidender Bindungsstil plus geringe Empathie plus spielerischer Liebesstil? Dann könnte es sinnvoll sein, aufmerksamer zu werden – nicht paranoid, sondern achtsam.
Aber selbst dann garantiert nichts, dass Untreue passieren wird. Menschen sind unglaublich komplex, und Persönlichkeitsmerkmale sind nicht in Stein gemeißelt. Sie können sich durch Lebenserfahrungen, Therapie, bewusste Selbstreflexion und tiefe emotionale Verbindungen verändern. Jemand mit hoher Offenheit für Erfahrungen kann lernen, diese Eigenschaft konstruktiv in die Beziehung zu integrieren.
Die wichtigste Erkenntnis? Persönlichkeit ist nicht Schicksal. Die Qualität eurer Beziehung, eure Kommunikationsfähigkeiten, gemeinsame Werte und gegenseitiger Respekt haben einen viel stärkeren Einfluss auf Treue als jede Vorliebe für Bungee-Jumping oder spontane Wochenendtrips. Etwa 40 Prozent der Menschen geben Seitensprünge zu – aber das bedeutet auch, dass 60 Prozent treu bleiben, unabhängig von ihren Hobbys oder Persönlichkeitsmerkmalen.
Was wirklich zählt
Die Verbindung zwischen Vorlieben und Untreue-Neigung ist real, aber sie ist subtil, komplex und niemals deterministisch. Die Forschung zeigt, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale – wie hohe Offenheit für Erfahrungen, Sensationssuche, vermeidender Bindungsstil und spielerischer Liebesstil – mit höheren Untreue-Raten korrelieren. Diese Merkmale können sich in spezifischen Vorlieben widerspiegeln, von Extremsportarten über intensive Social-Media-Nutzung bis hin zur Abneigung gegen Routine.
Aber hier ist die entscheidende Erkenntnis, die du dir hinter die Ohren schreiben solltest: Die beste Prophylaxe gegen Untreue ist nicht, nach Warnsignalen in Vorlieben zu suchen, sondern eine Beziehung aufzubauen, in der beide Partner sich emotional sicher, wertgeschätzt und erfüllt fühlen. Denn am Ende des Tages ist Treue weniger eine Frage der Persönlichkeit als eine bewusste Entscheidung – eine Entscheidung, die in einer liebevollen, offenen und respektvollen Beziehung viel leichter fällt.
Nutze dieses Wissen also weise. Nicht als Checkliste für Misstrauen, sondern als Einladung zu tieferem Verständnis – sowohl deines Partners als auch deiner selbst. Beziehungen sind keine mathematischen Gleichungen mit vorhersagbaren Ergebnissen. Sie sind lebendige, sich entwickelnde Verbindungen zwischen zwei komplexen Menschen. Und genau das macht sie so herausfordernd, aber auch so unglaublich wertvoll.
Wenn du merkst, dass dein Partner mehrere der beschriebenen Muster zeigt, ist das kein Grund zur Panik. Es ist ein Grund für offene Gespräche, für ehrliche Selbstreflexion und vielleicht auch für professionelle Unterstützung durch Paartherapie. Denn diese Muster sind nicht unveränderlich. Mit Bewusstsein, Kommunikation und dem echten Wunsch, die Beziehung zu stärken, können sie sich positiv entwickeln. Neuere Forschung zeigt sogar, dass Soziosexualität mit Untreueabsichten verbunden ist, was unterstreicht, wie wichtig es ist, die eigenen Beziehungsmuster zu verstehen.
Die Psychologie gibt uns Werkzeuge, um menschliches Verhalten besser zu verstehen. Aber sie gibt uns keine Kristallkugel für die Zukunft. Dein Partner mit den Extremsport-Hobbys könnte der treueste Mensch sein, den du je treffen wirst. Oder jemand mit komplett gegenteiligen Vorlieben könnte dich hintergehen. Letztendlich entscheidet nicht das Hobby oder die Vorliebe über Treue, sondern die Qualität der Bindung, die ihr aufbaut, die Werte, die ihr teilt, und die bewussten Entscheidungen, die ihr jeden Tag in eurer Beziehung trefft.
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